Humangeographie (Tutorium)

Mitschrift vom 13.07.2007 von Chun erstellt   |   Am 17.01.2009 um 01:49:33 Uhr gepostet   |   13048 Zeichen
Strategie alter Industriegebiete
- Produktionsorientierte Strategie
o Ansiedlung neuer Unternehmen (Förderung)
o Kleinbetriebe, Effekte gering da Arbeiter mit importiert werden
o Zweitstellen von Großunternehmen (bei Krise wird das Großunternehmen die Zweitstelle zuerst schließen=> Krisengefährdet)
o Bei hoher Arbeitslosigkeit können die Löhne gedrückt werden
- Konsumorientierter Ansatz
o Dienstleistungsbereich Arbeitsplätze
o Tourismus: Ruhrgebiet – Landschaftspark Nord, Zeche Zollverein, CentrO Oberhausen
o Überwiegend Frauenarbeit
o Arbeitsplätze saisonal begrenzt
o Überwiegend Teilzeit-, Aushilfsjobs
o Hochpreisige Wohn- und Konsumstätte (im Hafen umgebaute Gebäuden – Duisburg)
o Kritik
 Nur Einnahmequellen für Frauen die auch nur Teilzeit arbeitet (kann die Familie nicht ernähren)
- Wohlfahrtsstaat Ansatz
o Weiterbildungsmaßnahmen
o Arbeitslosengeld
o Kritik
 Überlässt es sich selbst
 Zahlt nur http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ das nötigste (Sozialleistungen)
 Es werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen

Italien
- Nord-Süd-Gegensatz
o Nord: reich
o Süd: landschaftlich arme Süden
- Dritte Italien (Emilia Romagna)
o 1. Phase (1900-1950)
 Sozialismus auf dem Lande
• sozialistische Bestrebungen auf dem Land (sonst nur städtisch, das besondere hier auf dem Land => frühe enge genossenschaftliche Kooperationen zwischen den Landwirten => gemeinsamer Anbau und gemeinsame Vermarktung
 Landwirtschaftliche Kleinunternehmen (genossenschaftlich vernetzt)
 Gemeinsame Vertriebsnetze
 Spezialisierung auf Nischenprodukte
 Universität
• Enge Kooperation: Forschung und Landwirtschaft können schnell Informationen austauschen
• Über Volkshochschulen hat die Landbevölkerung Zugang zu den neusten Entwicklungen
o 2. Phase (1950-1980)
= http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ 607; Industrialisierung und Wachstum
 Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft geht zurück
 Pro Kopfeinkommen steigt
 Zunehmend Export hochpreisiger und hochwertiger Produkte
 Enge Vernetzung auch branchenübergreifend (zwischen Lebensmittelproduzenten und Verpackungsindustrie)
• Dennoch dezentrale Strukturen (keine zu engen Abhängigkeitsverhältnisse)
o 3. Phase (1980-heute)
 Zunehmend übernehmen Großunternehmen die Strategien der Kleinunternehmen (kleine Serien und Nischenprodukte)
 Erosion der Zulieferbetriebe: Unternehmen suchen sich billige Betriebe im Osteuropa und nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft
 Kleinbetriebe nicht finanzkräftig, können sich neue Technologien nur im begrenzten Umfang anschaffen
 Bestimmte Großunternehmen die besonders wachsen, es kommt z u einer Hierarchisierung der Unt http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ ernehmen (=> Kleinräumige Netzwerke werden zerstört)
- Dritte Italien Merkmale
o Stark genossenschaftlich und sozialistisch angehauchte Wirtschaftsweise
o Gemeinsamer Feind ist der Nationalstaat (stärkte die Gemeinschaft)
o Gradueller Übergang von der Landwirtschaft zur Industrie (weiterhin landwirtschaftliche Produkte, aber im hochpreisigen Niveau)
o Flexible Spezialisierung (sehr enge Vernetzung der Nahrungsmittelhersteller und denjenigen die die Maschinen konstruieren) => Nischenprodukte (in kleinen Serien und nicht in Massenproduktion)
o Beispiel Region für einen Industrial Disctricts

Kennzeichen Industrial Disctricts
- Zusammenspiel von kleinen und mittleren Unternehmen
o Schneller Informationsfluss und Anpassung möglich (man kennt sich untereinander)
- Flexible Anpassung der Beschäftigung möglich (da Familienangehörige eingesetzt werden) => Hoher Ante http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ il an informeller Beschäftigung
- Flexible Spezialisierung auf ein Nischenprodukt, dass in kleinen Serien hergestellt wird
- Vernetzung über die eigene Branchen hinaus (Kostenvorteile)
- Einbettung im sozio-ökonomischen Milieu
- Warum nicht übertrag bar?
o Historische Entwicklung (Nationalstaat als Feind)
o Tradition
o Gewachsene soziale Milieu (Familienstruktur)
o Know-how von Generation zu Generation innerhalb der Familie weitergegeben

Baden Württemberg
- Wachstumsregion bis 19. Jh. durch Landwirtschaft geprägt
- Starke Besitzzersplitterung
o Landwirte früh gezwungen sich alternative Erwerbsquelle zu suchen
o Früh ausgeprägte Handwerkerschaft (=> handwerkliche Unternehmen)
- Keine Rohstoffe für eine Montanindustrie => Einziges Kapital das Humankapital
- Unterstützung durch
o Gewerbeschulen
o Anwerben von qualifizierten Leuten
- Heute< http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ br>o Fahrzeugbau, Elektroindustrie, Maschinenbau
o Einige Großunternehmen (Spinne im Netz => zentralisiert)
o Mittelgroße Betriebe (Elektroindustrie und Maschinenbau => dezentralisiert (kooperieren mit anderen, trotzdem Konkurrenz))
o Kleinere Betriebe (hoch spezialisierte Medizintechnologie)
o Dominierend im BW der Mittelstand
o Nicht kleinbetrieblich organisiert wie im Dritten Italien
- Probleme
o Kleinbetriebe füllen sehr enge Nischen aus (Hightech Medizin), wenn Krise kommt, dann können sie nicht schnell auf ein anderes Produkt umschwenken (können nur ihr Produkt verbessern)
o Großunternehmen enge Vernetzung mit Zulieferbetrieben, aber nicht zu anderen Großunternehmen (hubs und spokes (quasi im weit entferntesten ein Gegenentwurf zum Industrial Disctricts (mit den kleinen Betriebe)))

Unterschied Dritte Italien und Baden Württemberg
- Dritte Italien: dominie http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ rend die Kleinbetriebe und Familienunternehmen (unter 10 Angestellte) => Das klassische Beispiel für Industrial Disctrict
- Baden Württemberg: getragen von mittelgroße Unternehmen, dazu die dominierenden Großunternehmen

DDR
- Auf dem Gebiet der DDR vor dem zweiten Weltkrieg gab es herausragende Regionen: Leipzig und Jena
o Mit Aufbau des Sozialismus und Planwirtschaft wurden Großbetriebe geschaffen (Kombinate) mit hoher Fertigungstiefe => man versucht alles selber innerhalb des Kombinats herzustellen (von Rohstoffen bis zum Endprodukt) => Vertikal voll integriert (Rohstoffe bis zum Endprodukt
 Kombinate haben auch soziale Funktionen übernommen (Kindergarten, Schulen) => single-factory-town (alles an einen Ort, wie in einer kleinen Stadt)
- Im Westen gibt es zwar Großunternehmen aber wenige, in DDR Kombinate als Großunternehmen dominierend
- Knappheitsöko http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ nomie: informelle Netzwerke um Knappheiten zu überwinden, Kombinate haben sich gegenseitig ausgeholfen um das System am Laufen zu halten => Strukturen besonders stark in Ungarn und Polen (vom Staat gefördert)
o Führte zur Schulung von Problemlösung => positive Auswirkung für nach der Wende, konnten sich besser organisieren, und wussten wie man mit Problemen umzugehen hat
- Nach 1989 Transformationsprozess (Überführung staatlicher Unternehmen in private Unternehmen)
o Treuhand: Zerlegung der Kombinate
o Privatisierung der Unternehmen
o Kindergarten und Schule gingen an die Kommunen weiter
o Forschung und Entwicklung wurden eingestellt (reine Produktionsunternehmen)

Interesse der Unternehmen an der DDR
- Erschließung von Absatzmärkten von DDR und andere osteuropäische Länder (weil vorher Beziehungen bestanden) => Nutzung alter Handelsverbindungen
- Zu Beginn ni http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ edrige Lohnkosten, die auf Grund staatlicher Mechanismen sich angeglichen haben
- Staatliche Subventionen
- Meistens kein Interesse an den Maschinen der Unternehmen (da alt) =>iInteressant waren aber die Kundendatei

Investitionsstrategien für Ostdeutschland
- Marktorientierten Investitionsstrategie
o Neuer Absatzmarkt
 Baubranche
• Staat vergab garantierte Aufträge (Aufbau der Infrastruktur) => staatlich garantierte Nachfrage (müssen im Marktgebiet selber sitzen, da Transportkosten zu hoch sind) => Schaffung vieler Arbeitsplätze
 Nahrungsmittelindustrie
• Anfangs starke Nachfrage nach westlichen Produkten (westliche Supermarktketten die die Vertriebsnetze im Osten übernommen haben)
o Bei steigenden Arbeitslosenquote => mehr Ostprodukte herstellen (Geschmacksfrage)
- Globalintegrierten Investitionsstrategie
o Kostenorientierter Ansat http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ z
 Instabile, trendabhängige Industriezweige nach Ostdeutschland verlagern => bei Krise ist in Deutschland der Abbau des Standorts schnell möglich (Gewerkschaft geringen Einfluss, Entlassungen und Schließungen einfacher möglich) => Damen-Schulterpolsterproduktion ist dem Modetrend unterworfen
• Verknüpfung westlicher Unternehmen und den Frauenschulterproduktionen im Osten
• Weniger qualifizierter Arbeitsplätze (Taylorismus: Zerlegung der Produktion in viele kleine Arbeitsschritte)
o Innovationsorientierter Ansatz
 Reduzierung der Fertigungstiefe: möglich viel von Zulieferer beziehen (völliges Gegenteil der Kombinate) => schlanke Produktion (geringe Lagerkosten) => geringere Arbeitskosten da Arbeiter weniger qualifiziert sind

Theorien zur Regional Entwicklung
1. Nachfrageorientierte Ansätze
o Export-Basis-Theorie
o Regionale Input-Output-Analy http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ se (bezieht sich auf Wirtschaftssektoren, Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Sektoren)
2. Neoklassische Theorie
3. Polarisationstheorie
4. Regulationstheorie: vom Fordismus zum Post-Fordismus

Export-Basis-Theorie
- Nachfrage als Motor für wirtschaftliche Entwicklung
- Zwei Sektoren
o Basis-Sektor
 entscheidend für die Entwicklung
 Umfasst alle exportierende Unternehmen
o Nicht-Basis-Sektor
 Abhängig vom Basis-Sektor
 Wenn Export boomt, dann wirkt es sich auch auf die Region aus (Konsum), wenn Export krankt, dann krankt auch die Region => unmittelbar abhängig vom Export, dem Basis-Sektor
• Wenn Export ansteigt => höhere Löhne => mehr Konsum in der Region
- Theorie relevant für kleine und überschaubare Regionen und nur für einen kurzen Zeitraum
o Kritik
 Konkurrenz kann sich natürlich ändern, http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ Konkurrenz wird nicht einbezogen (neue Anbieter, neue Angebote)
 Unmittelbarer Zusammenhang von Lohnhöhe und Konsum wird vorausgesetzt

Neoklassische Theorie
- Raumlose Theorie, nicht entwickelt um regional Entwicklung zu erklären, aber übertragbar
- Annahmen
o Vollkommene Faktormobilität: keine Transportkosten (Distanzen spielen keine Rolle für Arbeiter und Kapital)
o Perfekte Information (alle wissen über Angebot und Nachfrage bescheid)
o Flexible Preise: passen sich den Knappheiten (Angebot und Nachfrage) an
o Atomistische Konkurrenz: keine Monopole, keine Wirtschaftsakteure die Macht auf den Markt einwirken können als einzelne Person
o Homo oeconomicus (alle streben nach maximalen Gewinn)
- Grundaussage
o => Regionale Disparitäten gleichen sich über Angebot und Frage von selbst aus
o Staat und Politik sollen sich raushalten
- Kritik
o Bezie http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ ht sich auf die flexiblen Arbeiter (sind nicht so flexibel)
o Distanzen spielen in Wirklichkeit eine Rolle
o Kapital auch nicht derart mobil
o Vollständige Information unrealistisch
o Nicht alle homo oeconomicus

Polarisationstheorie
- Disparitäten gleichen sich nicht aus, sondern verschärfen sich
- Annahmen
o Produktionsfaktoren heterogen (Arbeiter können unterschiedliche Qualifikationen haben, Standortvorteile)
o Produktionsfaktoren teilweise nicht mobil
o Informationsunterschiede (und damit Wettbewerbsvorteile)
o Markt ist durch Monopole und Oligopole gekennzeichnet
- => Positive Rückkopplung (selbstverstärkender Prozess) Polarisierung
o Neoklassik => Negative Rückkopplung: alles pendelt sich ein
o Politik/Staat muss aktiv werden, denn von alleine gleicht sich nichts aus, es muss Akteure geben die einwirken (Schutzzolle) => Staat kann nicht n http://www.meinemitschriften.com/script/f879j2/ne0xjg/ eutral sein, da sonst alles zusammenbricht

Regulationstheorie (neue Ansätze der Wirtschaftsgeographie)
- Vom Fordismus zum Post-Fordismus
o Eine Gesellschaftstheorie keine Wirtschaftstheorie
o Akkumulationsregime vs. Regulationsregime
 Akkumulationsregime: Produktionsweise, Konsum die sich während des Kapitalismus weiterentwickeln
 Regulationsregime: System der sozialen Regulationen (durch Gesetze und Normen durch den Staat ... Subventionen)
- Staatliche/soziale Akteure konnten nichts mehr an der Krise ändern, Wandel kam im Unternehmen selber

Fordismus Merkmale
- Taylorismus
o Produktionsprozess in möglichst viele kleine Arbeitsschritte zerteilt, sodass ungelernte Arbeiter auch eingesetzt werden können (Reduzierung der Kosten)
- Massenproduktion
- Erfindung des Fließbandes

Postfordismus
- Alles flexibel: Maschinen können verschiedene Produkte herstellen
- Arbeitszeiten flexibel
- Breite Produktpallette
- Arbeiter haben eine gewisse Verantwortung (vielfältigere Aufgaben) => höhere Qualifikation)

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