Einleitung
Duisburg ist durch seine Stahlwerke, seiner Industrie und im Norden auch für sein Kohlebergbau bekannt, also eine Stadt die durch die Industrialisierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert groß geworden ist. In Duisburg sind große Stadtteile Industriegebiete, meist Flächen von Thyssen Krupp. Spätestens seit den 80er Jahren ist es in den so genannten altindustriellen Gebieten, bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit, auch zu erheblichen Problemen gekommen. Die Stahlwerke haben ihren Betrieb eingestellt und immer mehr Menschen entlassen. Duisburg ist von der Fläche und ihrer Ausdehnung her eine große Stadt, das kommt dadurch, dass sie im 19. und 20. Jahrhundert durch Eingemeindungen gewachsen ist, ehemals selbstständige Stadtteile wurden zur Gesamtstadt Duisburg zusammengeschlossen. Duisburg selbst als Kern gab es schon im Mittelalter.
Wir fuhren in die Stadtteile Bruckhausen und Marxloh, welche etwa 5 km vom Stadtzentrum entfernt sind. Marxloh und Bruckhausen haben eine http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ gründerzeitliche Bausubstanz, der heute besonders durch einen hohen Migrantenanteil gekennzeichnet ist. Bruckhausen alleine hat einen Migrantenanteil von über 50% und Marxloh einen Migrantenanteil von etwa über 30%.
Migranten sind in dem Fall überwiegend türkisch stämmige Migranten, die im Stahlwerk und Kohlebergbau tätig waren. Besondere Merkmale dieser Konstellation spiegeln sich in den Fragen nach der sozialen Integration und nach der hohen Arbeitslosigkeit wieder. Als Sozialgeographen fragen wir uns nämlich, wie die Stadtpolitik damit umgeht oder was sie tun kann, um die Chancen der Menschen zu erhöhen, mögliche soziale Spannungen abzufedern, und wie sie den Stadtraum in Zeiten von knappen Ressourcen wieder aufwerten kann, damit sie wieder als lebenswert und attraktiv angesehen wird.
Der Vormittag wurde in Zusammenarbeit mit der Entwicklungsgesellschaft Duisburg (100%ige Tochter der Stadt D http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ uisburg) gestaltet, die in vielen Stadtteilen Projekte durchführt und uns einige davon vorgestellt hat. Wir schauten uns einen Kulturbunker an, und besuchten im Stadtteil Bruckhausen eine kleine Moschee, fuhren dann in den größeren Stadtteil Marxloh, mit zum Teil sehr schöner gründerzeitlicher Bausubstanz, die aber auch durch Probleme gezeichnet ist, sprachen mit einem Stadtteilmanager, schauten uns das Stadtteilzentrum an, und besuchten die größte Moschee Deutschlands, die derzeit in Duisburg Marxloh fertig gestellt wird.
Nach der Mittagspause haben wir uns, unter Begleitung eines Führers, der uns das Konzept der Umstrukturierung näher gebracht hat, den Landschaftspark Duisburg Nord angeschaut, eine ehemalige Industrieanlage mit Hochöfen die heute industriekulturell umgenutzt wird. In der Duisburger Innenstadt haben wir abschließend den ehemaligen Industriehafen (auch „Duisburger Innenhafen“ gena http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ nnt) angeschaut, der momentan, für Büros und andere neue Standorte, im Zuge der Aufwertung, umgenutzt wird.
09:30 Uhr
Teile von Bruckhausen sollen zu Gunsten des „Grüngürtels“ (Abstandsfläche zur Industrie) abgerissen werden, insgesamt soll der Prozess 8 bis 10 Jahre dauern. Die Kosten für den Abriss soll nicht die Stadt, sondern die Wirtschaft bzw. Thyssen Krupp tragen. Noch vor 3 Jahren hat die Kokerei „ihren Dreck runtergegeben“, was heute nicht mehr in dieser Dimension stattfindet. In manchen Gebieten wird stark spekuliert, die meisten Eigentümer wohnen nicht in ihren Immobilien, weshalb es sie wenig interessiert, wie es aussieht.
Für die neue Kokerei wurde die, von Thyssen Krupp bevorzugte, Nasskühlung durchgesetzt, trotz den Protesten der Umweltschützer, aber mit strengen Auflagen die dem Umweltschutz dienen sollen. Die neue Kokerei wurde zwar von Thyssen Krupp gebaut, aber betrieb http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ en wird sie von amerikanischen Firmen. Im unmittelbaren Bereich der Industrie gibt es über 40% Leerstand der Wohnungen (im Untersuchungsgebiet). Duisburg soll der zweit größte Stahlstandort der Welt sein. Um der Arbeitslosigkeit nicht noch mehr Nährboden zu bieten, soll Duisburg weiterhin Stahlstandort bleiben. Bruckhausen ist ein noch relativ junger Stadtteil mit vielen Kindern und Jugendlichen, die besonders durch ihre soziale Schwäche geprägt sind, dies spiegelt sich in Form von „junge Mütter, die sind 22, die haben ihre vier Kinder von vier unterschiedlichen Männern“ wieder. Schwerpunkt ist daher nicht nur die Stadterneuerung, sondern auch die Förderung von Sozial- und Bildungsstrukturen: Eine neue Grundschule wurde gebaut, Museschule eingeführt - Künstler sollen an die Schule kommen, jedes Kind bekommt in Duisburg garantiert Sprachförderung und einen Kindergartenplatz.
09:50 Uhr
Es wur http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ de ein Kinderspielplatz gebaut, der auch den Ansprüchen der Kinder gerecht wird, da sie unter Beteiligung der Kinder gestaltet wurde. Der Spielplatz wurde nach einen verstorbenen Polizist benannt, der viel Sozialarbeit geleistet hat, und nun damit nachträglich geehrt werden soll.
Der Luftschutzbunker ist aus dem Jahre 1941, einen ähnlichen Bunker gibt es auch in Marxloh, der aber damals einen Treffer abbekommen hat. Der, von Land und Stadt finanzierte, Umbau des Bunkers war vor 4 Jahren abgeschlossen worden. Die Nutzung des Kulturbunkers besteht aus dem „Kulturbetrieb“ und dem Bürgertreff: eigene Theater-, Tanz-, HipHop-Gruppen, Aufführungen von Kindern und Music-Acts. Das Haus wird, um sich zu finanzieren, auch vermietet.
10:30 Uhr
Es gibt im Augenblick, im Zuge der Grüngürtel-Planung, bisher nur eine Untersuchung der Lärm- und Staubbelästigung, Befragung der Mieter, Eigentümer und Gewe http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ rbetreibenden. Der Grüngürtel ist ein eigenständiges separates Projekt, welches aber auch der demografischen Entwicklung Folge leisten soll, der Industrie nützt, aber auch den Stadtteil Duisburger Norden aufwerten soll. Duisburg ist momentan eine riesige Baustelle, doch der Blick geht auf die einzelnen Stadtteile. Duisburg besitzt viele Zentren, die alle „irgendwie“ zueinander zulaufen.
Durch das neue Spielcasino sollen Spieler aus einem Einzugsgebiet von etwa 100 km² angesprochen werden, denn momentan besteht, bedingt durch die Konkurrenz in der Umgebung (Beispiel CentrO aus Oberhausen), eine sehr geringe Kaufkraft innerhalb der Stadtteile Duisburgs.
10:50 Uhr
Der türkische Islam ist im wesentlichen seit den 80er Jahren durch das türkische Konsulatwesen organisiert. In Deutschland gehören etwa 800 Moscheen, eingetragene Vereine, deren Vorsitzende aus der Türkei entsandt werden, zu diese http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ m Dachverband. Die ersten Moscheen in Deutschland waren keine Gebäuden die man von außen auch als solche erkennen konnte, es waren umfunktionierte Räume, meist auch „Hinterhofmoschee“ genannt.
11:00 Uhr
Zwei Elemente findet man in Moscheen immer wieder, einmal die, idealerweise zum Mekka gerichtete, Gebetsnische, und einmal die Predigerkanzel (Freitagspredigt); in türkischen Moscheen gibt es immer zwei Predigerkanzel. Das gewöhnlich etwa 20-minütige Gebet, ist eine rituelle Abfolge von Bewegungen (aufstehen, knien, niederwerfen) und Aufsagen von Gebetssätze. Die Ornamente sind alle mit der Hand gemalt, es wurden Künstler aus der Türkei für diesen Zweck eingeflogen; wenige Moscheen sind allerdings so dekoriert, meist ist zwar die Gebetsecke zum Mekka hin gerichtet, doch sonst findet man wenig Schmuck wieder (Wohnzimmeratmosphäre).
11:20 Uhr
Die Arnoldstraße gehört zum Untersuch http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ ungsgebiet der auch noch als Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll. Man nahm an, dass die Bewohner bei der Befragung den meisten Protest gegenüber des Grüngürtels zeigen würden, aber die Annahme war falsch, denn die Eigentümer haben auf der einen Seite die Autobahn und auf der anderen Seite die Hochöfen. Die Menschen sind in einem Alter wo sie gerne etwas ruhiger leben möchten, deren Kinder auch nicht die Wohnungen übernehmen wollen, weshalb sie die Entwicklung scheinbar für gut heißen, denn sie können nun weg und erhalten zudem noch einen guten Preis für ihr Haus.
11:30 Uhr
Abgerissen sollen nur Wohneinheiten und nicht die Industrie selbst. Es wird kein durchgehender Grüngürtel geben, „Grüngürtel“ ist nur ein Arbeitsbegriff. Die typische Aufgaben eines Stadtteilbüros: alltägliche Sorgen der Bürger und Bürgerinnen lösen (problemorientiert); in jedem Stadtteil gibt es „runde Tische“, an dene http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ n alle interessierte und betroffene Bürger der Stadtteile sitzen und reden können, und deren Betreuung zum Aufgabenbereich des Stadtteilbüros gehört (umsetzen der Bürgerbeteiligung). Die EG DU teilt sich in bestimmte Fachbereiche: „Soziales-Kulturelles-Interkulturelles“, Bau (projektbezogen), Verwaltung (Förderangelegenheiten, Geld und Geldquellen) und Wirtschaft (betreuen der Unternehmen). Das Potenzial in Marxloh lege darin, dass sich der Stadtteil derzeit erfolgreich als Einzelhandelstandort profiliert, und sich als Fachhandel etabliert hat, und damit konkurrenzlos bestimmte Zielgruppen anzieht; aus ökonomischer Sicht soll Marxloh demzufolge sehr gut aufgestellt sein.
12:00 Uhr
Viele Bürger haben sich über den Zustand der Kaiser-Wilhelm-Straße beschwert, weshalb die EG DU nach 1 Jahr zu dem Ergebnis kam, dass es nicht genüge diese nur zu renovieren, sondern man müsse auch eine neue Nutzu http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ ng prägen. Man lud alle zu einer Ideenwerkstatt ein, und unterhielt sich über die Zukunft dieser Straße. Das neue Konzept heißt „Piezas“: man wolle Künstler (die sich dann auch an Ort und Stelle darstellen könnten) und Gastronomie ansiedeln, und den Ort als IHZ (Internationalen Handelszentrum) etablieren, was bisher nur teilweise realisiert wurde.
12:00 Uhr
Einige Schaufenster sind verhüllt, ebenso viele Geschäfte sind entweder am renovieren oder kurz vor einer Neueröffnung (laut Aushang). Dieser Zustand zeige die Investitionsbereitschaft, und den Aufwind für diesen Ortsteil. Die Spezialisierung der Einzelhändler spiegelt sich besonders in der Dominanz von Hochzeitsmodegeschäften und Friseuren, die das Straßenbild dauerhaft prägen, wieder.
12:30 Uhr
Die EG DU begleitet den Bau der Moschee, weil in Marxloh die Bedeutung des Islams allgegenwärtig ist, und sie dieses mit der Gemeins http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ chaft kommunizieren möchte. Die Begegnungsstätte wird mit öffentlichen Geldern gefördert, weil diese den Immigranten die Integration ermöglichen soll.
Die Moscheegemeinde ist der Bauherr des gesamten Baus, der Verein „Begegnungsstätte“ wird die Begegnungsstätte betreiben. Der „Beirat“, den es seit 4 Jahren geben soll, besteht aus der Nachbarschaft, Kirchen, Schulen und Politiker, die mit der Moscheegemeinde arbeiten, um das Projekt in der „Mehrheitsgesellschaft“ zu verankern.
Die Moscheegemeinde besteht seit 1985, hat 720 Mitglieder, diese hat 1996 mit der Planung der neuen Moschee begonnen, da der Bedarf gewachsen sei. Im Jahr 2000 haben sich die EG DU und die Moscheegemeinde zusammengesetzt und entschieden zu bauen, um in einen „repräsentativen Gotteshaus“ beten zu können und zugleich Dialog und Bildung zu fördern. Die Gesamtkosten des Baus beträgt etwa 7 Mio. Euro, 60% des Betrags trägt die http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ Moscheegemeinde und die restlichen 40% die EU/NRW.
12:50 Uhr
Unserer Exkursionsgruppe wurde ein Trailer vorgeführt, dass die Sicht der türkischen Muslime vermitteln soll. „Das Wunder von Marxloh“ ist eine Moschee von deutschlandweit insgesamt etwa 200 Moscheen, das Besondere beim Projekt soll die Kooperation mit der Mehrheitsgesellschaft sein: der Bau einer Moschee mit Begegnungsstätte soll nun nicht mehr nur eine Aufgabe von Muslimen sein, die Verantwortung lege zwar bei den Migranten selbst, aber die Moschee könne auch positive Synergieeffekte für Duisburg erzeugen.
Die Begegnungsstätte soll sich langfristig selber tragen, daher versuchen sie sich ein Profil zu verschaffen, dass den Bedarf der Gemeinde deckt: Schwerpunktmäßig für Senioren, für Frauen, für Bildungsarbeit und den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Man beklage sich über vorhandene Strukturen die, die Migranten http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ nicht erreichen, die Migranten würden die Angebote nicht annehmen, da sie diese Einrichtungen nicht ganz trauen würden, weshalb sie einen eigenen Raum brauchen. Man möchte sich finanzieren, indem man interessierten Menschen in Kursen eine „interkulturelle Kompetenz“ vermittelt, zusätzlich zu diesen Seminar- und Fortbildungsangeboten, möchte man eine Gastronomie anbieten. Insgesamt sollen langfristig 13 Menschen „im Haus“ arbeiten, und der Betrieb koste jährlich insgesamt 1 Mio. Euro.
Es fehle den Muslimen bisher ein Ort, wo sie ihre Freunde und Gäste „würdevoll“ empfangen können, der zudem ihre Religion repräsentiere, daher ist die Moscheegemeinde in Duisburg besonders stolz, dass sie zum ersten mal ein Gebäude haben, der „symbolisch für den Islam“ steht, und gleichzeitig die erfolgreiche Integration des Islams in die Gesellschaft widerspiegelt.
13:20 Uhr
Um die Hemmschwelle in der „Mehr http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ heitsbevölkerung“ niedriger zu halten, ist der Eingang der Begegnungsstätte vorne an der Hauptstraße. Die Kuppeln werden mit Zinkblech ausgelegt, das Gebäude hat eine Höhe von 27 Meter, der Turm 34 Meter. Der Muezzin wird nicht rufen, da es vor 10 Jahren eine heftige Diskussion darüber gab, und in Anbetracht dessen hat die Moscheegemeinde ihren Antrag zurückgenommen, da ihnen der friedliche Umgang mit den Nachbarn wichtiger als der Muezzinruf, damit ist der Aussichtsturm nur zur Zierde da.
Nach oben hin geht es zur Empore wo die Frauen beten (Geschlechtertrennung), nach unten geht es zu den Waschräumen, der ganze Bau ist behindertengerecht ausgelegt. Insgesamt finden 1500 Gäste im Gebetsraum Platz. Untypisch für den osmanischen Baustil sind die Fenster, die eine Idee des Beirats war, um offen und transparent zu sein; Moscheen haben gewöhnlich keine große und hohe Fenster, wie es die Kirchen haben, http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ um Einblick zu gewähren.
Der Eingang an der Hauptstraße wird einen Informationsbereich und einen Souvenirladen besitzen, wo man beispielsweise Puzzle mit der Moschee als Motiv drauf erwerben kann.
15:10 Uhr
Der Landschaftspark Nord ist heute Tag und Nacht ohne Eintritt begehbar, früher war er allerdings eingezäunt und Zutritt erhielten nur Arbeiter mit einem Ausweis. Roheisen wurde aus dem Eisenerz herausgelöst, und die Basis war die Kohle als Energieträger, die Kohle kam aber nicht direkt in den Ofen, sondern musste vorher erst zu Koks weiterverarbeitet werden. Koks ist der reine Kohlenstoff, der entsteht wenn Kohle stundenlang heiß gemacht wird, und deren flüchtigen Bestandteile entzogen werden, übrig bleibt dann der druckfeste und stabile Koks. Kohle würde unter dem Druck des Eisens im Hochofen zerdrückt und das Feuer erstickt worden. 1903 wurde der Betrieb nach 2 Jahren Bauzeit aufg http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ enommen, und es fanden etwa 1000, zu Spitzenzeiten auch bis zu 2000, Menschen eine Arbeit.
Aus dem Roheisen wird der Stahl gemacht (durch Entzug von Kohlenstoff; heutzutage durch Sauerstoffeinblasung), der Roheisen selbst ist spröde (daher nur ein Zwischenprodukt); erst der Stahl ist walzfähig und biegsam (Pipilangstrumpf würde den Eisenbarren brechen, den Stahl würde sie biegen). Der Roheisen wurde bei 1500 Grad in den Torpedowagon gefüllt und konnte über lange Strecken transportiert werden, um noch weitere Strecken zu überwinden, goss man den Roheisen in Eisenbarren. Die Schlacke ist ein weiteres Nebenprodukt aus dem Eisen, die Schlacke wurde als Baumaterial genutzt (vor allem in den Niederlanden für den Parkplatzbau).
1985 wurde der Stahlwerk geschlossen, es gab vorher bereits Teilstilllegungen, es war zu viel Stahl im Umlauf, die EU hat dann Stahlquoten eingeführt, um die Produktion zu ordn http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ en und zu begrenzen. Thyssen hat nachher viele Standorte im Dortmunder Raum übernommen, und letztendlich seine Werke nach Konstantin konzentriert. Der fehlende Hafenanschluss, und damit die zu hohen Kosten, spielte bei der Stilllegung eine große Rolle, auch wenn zuvor noch Geld rein gesteckt wurde. Zuletzt arbeiteten hier nicht mehr als 100 Arbeiter, diese sind in den Vorruhestand zu recht guten Konditionen gegangen.
Heute ist die Hochofenproduktion und die Weiterverarbeitung überwiegend am Rhein, namentlich durch Thyssen Krupp, konzentriert (6 Hochöfen in NRW); diese machen, auf Grund des Booms in Asien, Gewinne schon seit Jahren - Thyssen Krupp investiert deshalb in einen neuen Hochofen für 250 Mio. Euro, plus 90 Mio. Euro in die Sanierung bestehender Anlagen.
15:20 Uhr
Das Bergwerk ist schon 1959, im Zuge der ersten Kohlekrise, geschlossen worden. Die Kokerei war bis 1977 in Betrieb, http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ der Koks wurde über die Seilbahn zu den Hochöfen verfrachtet worden, als die Kokerei dicht gemacht hatte, musste man dementsprechend Koks aus anderen Anlagen holen (über Gleis).
15:25 Uhr
Mit der Stilllegung des Hüttenwerks waren nach 1985 insgesamt 2 km² Fläche zu veräußern. Thyssen bot der Stadt die Fläche kostenlos an, Duisburg lehnte aber dankend ab, später hat die Stadt die Fläche über einen Fond symbolisch für 1 Deutsche Mark schließlich doch noch erworben.
Nach dem Rückzug der Industrie und dem Verlust von Arbeitslätzen, wünschte man sich für den ehemals verbotenen Ort eine offene Zukunft, man entschloss sich die Bauten zu erhalten und umzunutzen. Die Hälfte der Betriebskosten werden durch die Vermietung der Hallen eingenommen, und der Rest vom Land NRW.
15:30 Uhr
Der ehemalige Gasometer wurde abgedichtet und mit Wasser gefüllt, aus diesem wurde der „Tauch-Gasometer“, e http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ in Tauchsport-Verein versucht diese ökonomisch zu betreiben und bietet Tauchangebote an: neben den vielen Entdeckungsmöglichkeiten im Inneren des Gasometers (Wracks, Bote, Flugzeug, Telefon, Briefkästen), kann man sich dort auch trauen lassen (Heiraten).
Eine Stahlkonstruktion ermöglicht die optionale Regenbedeckung des Eventbereichs für 999 Gäste: im Sommer finden unter dieser Konstruktion Kinovorstellungen und Musikprogramme statt, so sollen letzten Sommer 26.000 Menschen dies wahrgenommen haben, die sich besonders vom Ort und der Kulisse angesprochen fühlten.
15:35 Uhr
Man versuchte das industrielle Ambiente zu erhalten, und konservierte lediglich die Fassaden und die Wände der Hallen ohne sie großartig zu renovieren. Besonders viele Firmen sollen die zwei großen Hallen mit integrierter Bühne für Veranstaltungen nutzen, und dafür dementsprechend zahlen.
Der Park bietet heute etwa 4 http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ 00 Menschen einen Arbeitsplatz. Der Landschaftspark war eines von 120 Projekten einer größeren Förderung. Die Kernfrage lag darin, wie man mit dem industriellen Erbe umzugehen hat. Im Laufe der 10 Jahre wurde etwa so viel von EU und Land investiert, wie vermutlich der Abriss gekostet hätte. Die Betriebsgesellschaft kommt im Jahr mit 3-4 Mio. Euro aus, wobei auch Umbaukosten mit summiert sind, sodass der reine Betrieb allein etwa 1 Mio. Euro kosten würde. Es gibt für die nächsten 5 Jahre Planungssicherheit, was nach 20 Jahre passiert wisse niemand, und so „soll die nächste Generation sehen wie sie klar kommt“.
15:40 Uhr
Das Wort Industriekultur wurde am Anfang als Widerspruch in sich wahrgenommen, zwei Dinge die nicht zusammengehörten: Kultur und Industrie. Viele dachten früher nur „schnell abreißen“ (lange Zeit war man gewohnt, dass abgerissen wird, wurde aber auch von vielen gefordert), he http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ ute sind viele stolz darauf, und wollen das industrielle Erbe erhalten, da die Industrie eine sehr lange Zeit zum Alltag gehörte und damit die Kultur auch nachhaltig prägte.
Der Begriff „Industrienatur“ fasst die durch die Industrie ermöglichte Natur: der Mensch hat die Region völlig verändert, die Böden enthalten viele Salze, zum Teil auch Böden die Wasser stauen und wiederum welche die kaum Wasser speichern, dementsprechend hat sich eine Landschaftsvielfalt eingestellt, die man so nicht erwarten würde. Alle zwei Jahre kommen Biologen, kartieren die Pflanzen, und stellen eine wachsende Pflanzenzahl fest. Der Raum und seine Böden sind sehr dicht und dunkel, heizen sich dementsprechend auf und sind im Durchschnitt 5 Grad heißer als im Umland, und bieten damit die Grundlage für die vielen Pflanzen. Es wurden viele Pflanzenarten aus anderen Klimaregionen, durch den Eisenerztransport, zum Beispiel aus http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ Südafrika, eingeschleppt, die im Landschaftspark einen Nährboden gefunden haben - viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht.
15:50 Uhr
Die 400 Meter lange Bunkeranlage wird heute als Kletteranlage genutzt. Eine Kletterschule bietet Trainingskurse an, Schulklassen können zum Beispiel Kletterkurse machen, und vorher oder nachher eine Führung durch den Park unternehmen.
16:00 Uhr
Bevor man den Park realisieren konnte, untersuchte man die Flächen nach Altlasten. Zunächst stellte man eine sehr hohe Belastung, jedoch nicht flächenhaft, aber punktuell, fest. Altlasten hat man, nach mehreren Pannen, wodurch Säure ins Grundwasser versickerte, verkapselt (Altlasten hat man damit an Ort und Stelle belassen), auf diesen Flächen finden heute Konzerte statt.
Am schlimmsten belastet sind die Kokereiflächen, die hatten früher keine Sammelbecken, und wenn diese Anlagen zerstört worden, ginge http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ n krebserregende Stoffe in den Erdreich. Wenn man heute bei IKEA bei Duisburg zum Möbel kaufen geht, dann fährt man ein Stück auf dieser Altlast rauf.
16:05 Uhr
Der heutige Regenwassergraben war früher die alte Emscher, ein kleiner Fluss der bei Dortmund entspringt, und in den Rhein mit geringem Gefälle mündet. Als die Industrie aufkam und der Bergbau einsetzte, kam es zu massiven Erkrankungen. Hohlräume die durch den Bergbau entstanden, wurden nicht wieder verfüllt, sodass es zu Landsenkungen kam, weswegen das Schmutzwasser nicht mehr dort hin gelangen konnte, wohin es eigentlich hinkommen sollte.
Die Menschen sollen heute wieder den Weg zum Wasser finden, Plattformen ermöglichen nun den näheren Kontakt zum Wassergraben. Wasser hat früher immer nur gestunken, weshalb es heute nicht ganz selbstverständlich ist, so reines Wasser zu haben.
16:10 Uhr
Das Herz des Hüttenwerks beste http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ ht aus drei noch bestehende Hochöfen, zwei Hochöfen sind bereits zu Bergzeiten abgebrochen worden. Ein Lichtkünstler aus England, der dafür den Auftrag erhielt, inszeniert die Hochöfen bei Nacht. 600.000 Besucher im Jahr sollen sich dieses Spektakel ansehen. Jedes Objekt wird anders beleuchtet, rot steht für den Himmel, der Himmel wurde damals wegen der Hitze rot und vielen Kindern erzählte man, „dass die Engel Plätzchen backen, und viele Kinder hielten das Ruhrgebiet für die größte Plätzchenbäckerei der Welt.“, grün steht für den Landschaftspark und blau für den Umbau des Emscher-Abwassersystems.
16:20 Uhr
Der Ofen musste 10-12 Jahre ununterbrochen laufen, sonst würde das Mauerwerk im Inneren reißen und die Investition sich nicht mehr lohnen. Nach mehr als 10 Jahre war der Ofen nicht mehr zu gebrauchen, da die Steine im Inneren instabil wurde, der Mantel glühte und „irgendwann die Supp http://www.meinemitschriften.com/script/3z4nof/e992k2/ e raus geschossen kam“. Es gibt heute weiterhin Hochöfen, das Prinzip ist dasselbe, aber sie haben andere Ausmaße, damit es sich auch rentiert.
16:30 Uhr
Eine längere Zeit waren die Leitungen nicht völlig abgedichtet, weshalb Gas entweichen konnte, und im schlimmsten Falle hat dies zum Erstickungstod geführt. Es gab Aufpasser die darauf geachtet haben, dass niemand zu lange in der Ecke liegt, da es sonst „vorbei gewesen“ wäre, unter bestimmten Umständen hat man sich unter ein Sauerstoffzelt gelegt, oder literweise Milch getrunken - damit man sich ergeben konnte. Eines Tages wurden unbequeme Gasmasken eingeführt, weshalb die Arbeiter lieber keine trugen und stattdessen geschaut haben wie der Wind steht. In den 50er begann die Automatisierung mit Schlittenaufzügen und andere Innovationen, sodass niemand mehr unmittelbar am Hochofen arbeiten musste.
16:40 Uhr
Bei Krupp Mannesmann Stahl in Duisburg arbeiten heute 12.500 Menschen, früher haben in Duisburg allerdings vier mal so viele in der Stahlbranche gearbeitet. Eine ehemalige Halle im Landschaftspark wurde zur Sporthalle umfunktioniert, die Nutzung ist kostenlos, Spielgeräte müssen selbst mitgebracht werden.
16:50 Uhr
Damit touristische Züge einfahren können, wird ein touristischer Bahnsteig gebaut, diese kommen vom Rhein aus über das Werknetz zur Empfangsstation im Landschaftspark. Wenige Meter davon entfernt, im Gebäude wo Arbeiter ihre Lohntüte abholten, ist heute eine Jugendherberge.
17:15 Uhr
Das Rathaus markiert ein Mittelpunkt der mittelalterlichen Stadt Duisburgs, und die City bildete sich zwischen dem alten Stadtkern und dem Hauptbahnhof. Die mittelalterliche Stadt Duisburg hatte eine Stadtmauer, Reste der Stadtmauer sind heute immer noch zu sehen. Die Mauer war zum Teil durch aufliegende Gebäuden versteckt, wurde daher erst spät wiederentdeckt und im Rahmen der Umgestaltung frei gelegt.
Duisburg lag im frühen Mittelalter mit seiner Stadtmauer am Rhein, doch dieser hatte mehrfach seinen Lauf geändert. Duisburg hatte früher einen Hafen, hat diese aber im Zuge der Laufänderung verloren. Im 19. Jahrhundert wurde ein neuer Kanal angelegt, der eine Verbindung zum Rhein ermöglichen sollte. Der Innenhafen wurde zum wichtigen Umschlagplatz, doch dieser wird heute nicht mehr dafür genutzt, die Hafenfunktion verlagerte sich zum großen Hafen hin, stattdessen fand ab den 90er eine Umnutzung statt.
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