Lahn-Dill Exkursion (Froitzheim)

Mitschrift vom 17.02.2007 von Chun erstellt   |   Am 16.01.2009 um 06:21:26 Uhr gepostet   |   10360 Zeichen
13:41 184m N 50°18.625' E 008°03.622' Wir sind hier nach Hahnstätten gefahren, von Hahnstätten Richtung Limburg, und von dort aus zur Firma Kalk Schäfer, die betreibt hier zwei Steinbrüche, das ist der neue kleinere Steinbruch. Die Leute von der Firma sagen, dass sei der reinste Kalk den man in Europa abbauen könnte, der hätte über 99% Kalziumkarbonat. Die verkaufen das als Hüttenkalk, und der muss mehr als 98% haben, die verkaufen sie an die Tablettenindustrie, die hoch reinen Kalk benutzen. Im Riffkalk findet man Punkte, ziemlich fossilreich, darin könnten segmentierte Korallen sein. Tone werden nach oben hin immer kalkiger, und dann entstehen solche Riffe, nach oben wird es jünger, und nach rechts und links hat man Faziesänderungen, was an unterschiedlichen Stellen zu finden ist, und wenn man unten anfängt, ist Unterdevon – das sind diese Schiefer aus dem Ems – aus der Emsstufe, da drauf kommen dann die mitteldevonische Schiefer die wir vorhin gesehen haben – diese Rupbachschiefer, http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ und da drüber werden die dann langsam kalkig, bei tmtk kommen die kalkigen Einlagerungen in diese Schiefer, und da drauf kommt dieses tms – das ist dieser Schalstein – dieses Gemisch aus Schiefer mit lokalen Basalten ist oberes Mitteldevon, beim Give steckt auch dieser Keratophyr drin, den Lahnporphyr haben wir nicht mehr gesehen, wir sind in diesen Schalstein reingekommen, aber nicht mehr in den Keratophyr, der kam dann oben auf der Höhe wo dieses Örtchen Steinsberg lag, in diesem Schalstein steckt dann auch dieser saurer Vulkanit drin, und darauf kommen dann hier die tmsk Riffkalke, ungeschichtete massige Kalke, die bilden solche Riffe die seitwärts aufhören und sich seitwärts verzahnen, also sie sind nicht prinzipiell jünger als der Schalstein, sondern verzahnen sich seitwärts mit den Schalstein, weshalb dann im Schalstein auch Plattenkalke vorkommen kann, und dann gibt es solche größere Riffkörpe http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ r die seitwärts in diesen Schalstein übergehen. Die jüngsten Schichten die wir jetzt hatten, außer die Vulkaniten, d.h. in dieser Zeit oberes Mitteldevon und unteres Oberdevon, hat man hier eine topographisch wohl gut strukturierte Landschaft gehabt, mit Riffen die nah an der Oberfläche waren, Riffe müssen ihre Oberfläche praktisch an der Wasseroberfläche haben, und dann hat man seitwärts zwischen diesen Riffen Becken gehabt, die tieferes Wasser hatten, wo dann dieser Schalstein abgelagert wurde, wo die Vulkanite und wo auch kalkige tonige Sedimente reingefüttert wurden, und wenn man so eine stark strukturierte Landschaft hat, und auf einmal in hoch Gebiete und niedrig Gebiete unterteilt, dann wird es oft mit Tektonik in Verbindung gebracht, in diesem Fall sehr wahrscheinlich Dehnungstektonik. Stellen mit rötlichen Verfärbungen sind wahrscheinlich Verkarstungserscheinungen, das ist nicht der Wand run http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ ter geflossen, sondern sind mit Lehm gefüllte, verkarstende Löcher, und Kalk löst sich, die Verkarstung ist jung, quartär oder tertiär. Sedimentfazies sind die Gesamtheit der Merkmale von einem Sediment, und diese Merkmale geben Aufschluss über die Entstehung des Sedimentgesteins, wichtig wird dieser Begriff wenn Sedimentgesteine vom gleichen Alter in verschiedenen Fazies ausgebildet sind. Gemeinsamkeit ist dass die Fazies die Eigenschaft oder die Merkmale von Gesteinen bezeichnet, und in der Sedimentologie bezeichnet Fazies die Summe aller Eigenschaften die für ein bestimmtes Ablagerungsraum typisch ist, und in der metamorphen sagt man eben, dass es die Summe aller Merkmale die für einen bestimmten Druck-Temperatur-Bereich typisch sind, und wir sehen auch heute auf der Erdoberfläche Stellen, wo verschiedene Sedimente zur gleichen Zeit gebildet werden, am Riff wird Riffkalk gebildet, und drinnen in d http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ er Lagune wird ein geschichteter Lagunenkalk gebildet, wenn man vom Riff zum offen Ozean geht, dann hat man Riffschutt der dort in die Tiefe geschüttet wird, und diese drei Gesteine werden gleichzeitig gebildet, dann hat man drei Fazies, später kann man in den Gesteinen sehen, wie die Fazies verteilt sind, und dann kann man rekonstruieren wie damals die gesteinsbildende Prozesse auf der Oberfläche verteilt war. Wir sind hier in einem ehemaligen Riffkomplex, indem viele Korallen gelebt haben, also wahrscheinlich Korallenriff, und diese Schalsteine war ein Korallriff umgebendes Becken in dem auch vulkanische Gesteine befördert worden. In den Dolomiten findet man auch Korallenriffe vor, und die haben auch viel mehr Kalzit gebildet, die haben auf jeden Fall Kalziumkarbonat gehabt. Die Korallen sind wie Sträucher, die weißen Flecken sind die Äste, Korallen sind dolomitbildende Organismen. Wir sind geologi http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ sch noch weiter ins innere der Mulde gefahren, wo noch jüngere Schichten erhalten sind. Wir treiben uns im jüngeren herum, das ist der sogenannte Schalstein und da stecken diese Kalke, hier hat man zwei solcher größeren Mulden, die jüngere Gesteine einfalten, diese zwei Großstrukturen heißen Lahnmulde und Dillmulde, und wir befinden uns in dieser ersten kleineren Falte der größeren Lahnmuldenstruktur.

14:49 136m N 50°19.726' E 008°04.135' Das hier ist kein Kalkstein, sondern Sandstein, aus ziemlich reinen Quarz, und man sieht die Körner nicht mehr richtig, das Gestein ist sehr massiv, es ist ein Quarzsandstein wo auch die Zwischenräume zwischen den Quarzkörnern mit Quarz ausgefüllt sind, das ist Quarzit, Quarzit ist ein Gestein das nur aus Quarz besteht, und nur sehr geringe Hohlräume besitzt. Wir sind plötzlich wieder im Unterdevon, und da hat man im rheinischen Schiefergebirge für das Unte http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ rdevon drei Abschnitte, wo man zur gleichen Zeit verschiedene Fazies hat, im Norden hat man in der Siegenstufe die Siegenerschichten, z.B. die Herdorf-Schichten die wir an der Falte in Unkel gesehen haben, wenn man von diesen flachen Schelfsedimenten nach Süden geht, kommt man in Gesteine ähnlich dem Hunsrückschiefer im weiteren Sinne, und wenn man dann noch weiter nach Süden geht, kommt man wieder in sandige Fazies im Südabschnitt des Schiefergebirges, und dort hat man den Taunusquarzit, das ist ein sehr reiner Quarzsandstein der quarzistisch verfestigt ist, und genau den haben wir hier, der kommt hier nur in geringer Mächtigkeit vor, weiter im Süden erreicht er große Mächtigkeiten und bildet die Bergkämme des Taunus, deswegen der Name und des Hunsrück. Wir sind hier etwa 1,5 km vom Kalkbruch der Firma Schäfer entfernt, und stehen hier im Unterdevon, das ist ziemlich nah beieinander, d.h. die Schich http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ ten können nicht sehr mächtig sein, aber zweitens, stehen wir auch steil, wir sind also hier im Schenkel von einer Falte, wir sind hier in einem Zwischensattel der Lahnmulde. Der Kalksteinbruch war dort wo Mulde steht.

16:55 351m N 50°25.692' E 007°16.766' Wir schauen uns als erstes die Tuffe an, der Laacher-See ist eine Caldera, ein Einbruchskessel. Wir schauen uns hier drei Aufschlüsse am Dachsbusch an, ein Vulkan, Tuffe und Basalte. Dieser Ausbruch ist etwa 150.000 Jahre alt, hatte mehrere Förderzentren und mehrere große Eruptionen gehabt. Der Ort heißt Wehr, und dieser Kessel den man hier sieht heißt Wehrer Kessel.

17:02 333m N 50°25.700' E 007°13.784' Wir haben hier geschichtete Gesteine, die sowohl vulkanische Komponenten enthalten, Bims und Basalt, Basaltschlacken mit sehr vielen Hohlräumen, mit sehr vielen Gasblasen, als auch Gesteine aus dem Grundgebirge, Sandstein und Quarzgän http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ ge. Dieser Vulkan hat nicht nur vulkanisches Material phreatomagmatisch ausgeworfen, sondern hat auch sehr viel Nebengestein aus dem Untergrund ausgeworfen. Dort drüben sieht man eine Bombe, die durch die Luft geflogen und in die Schichten eingeschlagen ist. Eine Bombe aus vulkanischen Gestein, die in einer ballistischen Kurve aus dem Ausbruchszentrum ausgeworfen wurde, eingeschlagen ist, und ältere Schichten nach unten eingedrückt hat, die nächsten Auswurfslagen decken das oben zu.

17:15 342m N 50°25.721' E 007°13.946' Das ist die originale Oberfläche von einem Schmelzauswurf, und das ist später abgeschlagen worden, das sind riesige Schmelztropfen. Was man da an der Wand als Schichtung wahrnimmt, sind Schlackefetzen, große Schlackebomben die noch als Schmelze aufgetroffen sind, die dann auseinander gelaufen sind, haben in der Luft bereits eine Kruste bekommen, und was man dort angeschnitten http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ sieht, ist ein Schlackekegel, wenn so ein Basalt-Vulkan anfängt Magma zu fördern, dann baut er sich ein Vulkangebäude aus Schlackefetzen, und hier kann man so eins angeschnitten sehen, wir stehen hier sozusagen mittendrin, dort sieht man den Kontakt von den eigentlichen Schlackekörper, also den Schlackekegel, zu den darauf liegenden Tuffen. Der kleine Schlackenkegel am Dachs, in dem wir drin stehen, ist älter als die Tuffe, die Tuffe haben sich da drauf gelegt. Diese Hohlform ist hier auf Abbau zurückzuführen. Man findet Bomben die in der Luft zusammengewickelt worden sind, Lavafetzen die flüssig ausgeworfen werden, und sich in der Luft aufgedreht haben.

17:33 354m N 50°25.764' E 007°13.900' Man sieht rechts Basaltschlacken vom Schlackenkegel, da drauf legen sich rötlich geschichtete Ablagerungen, das sind Tuffe die auch zu diesem basaltischen Dachsbuschkegel gehören. In diesen Tuffen sieht ma http://www.meinemitschriften.com/script/1pc6qg/774ny8/ n dann nach oben hin eine Falte, sie biegen nach links um, und da drauf liegt eine gelbliche Schicht mit dunklen Brocken, das ist Lösslehm, da schwimmen kleine Brocken drin, und da drauf liegen wieder diese hell grau grünen Tuffe die wir am Eingang zum Dachsbusch gesehen haben. Die Schichtungen fallen von dem Vulkankegel nach außen hin ab, da wo der Steinbruch ist, da war das Förderzentrum, das war ein Schlackenkegel. Man sieht, dass dieser Lösslehm nicht gefaltet wurde, der liegt auf dieser Falte drauf, diese Falte hat nichts mit Tektonik zu tun, sondern ist Hangrutschen, die Oberfläche vom Hang rutscht talabwärts und hat diese Schichten geschert, und die Biegung hat wahrscheinlich Permafrost verursacht, im Winter war das gefroren, im Sommer ist es aufgetaut, dann rutscht die wassergesättigte Masse auf den gefrorenen Untergrund den Hang runter, und das sieht man an aufliegenden Lösslehm, der eine eiszeitliche Bildung ist. Als die Eiszeit vorbei war, ist der Wehrer Kessel ausgebrochen, und hat dann noch auf diesen Lösslehm sein Gleeser Bimstuff drauf gelegt, Gleeser ist das Örtchen da drüben, und der gehört zum Wehrer Kessel.

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